Manchmal bin ich eine Muschel, spüre das Rauschen der Tiefe in mir und hervor kommen schimmernde Perlen,
einzelne Wörter und ganze Text-Fragmente.



Sonnenstrahl

Ich bin müde, sagt der Sonnenstrahl zum Baumwipfel und streicht über seine zerstruppelte Stirn. Gleich wird mir schlecht, so müde bin ich, stöhnt der Sonnenstrahl und kippt in Richtung Horizont. Ich will bleiben, klagt der Sonnenstrahl und schießt durch die Wolke im Weg. Der Wipfel schweigt, wiegt sich im Wind. Weil ich dich liebe, flüstert…

Über Linien

Die Augen geschlossen, schreibe ich ohne auf das Blatt zu sehen, blindlings über Linien hinweg, zwischen weiße Balken und in einen rotgetupften Heißluftballon hinein. Ein alter Mann mit fliegendem Schnauzbart blinzelt darin, zieht an der faserigen Leine, zündet das Feuerschwert. Die roten Ballonbacken füllen sich, zittern aufgeblassen über seinem Haupt. Eine verwunderte Windböe hilft mit…

Unsinn

Bananenbrot klingt nach Urwaldgeschwätz im Siebenschläfermartyrium. Was ich mir ausdenke, hat keinen Bestand. Vielleicht liegt es an meinem fehlenden Ehrgeiz in Sachen Vermarktung, vielleicht fehlt mir die Sitzungskompetenz oder der Geltungszwang. Siebenmillionen in Tausenderzelten und Einmannbooten ertranken trotz Wurstdiktat und Himmelsschranken. Nichts ergibt Sinn, der Text nicht und nichts, was da passiert. März 2017

Wunschmeer

Ich wünsche mir, es wäre das Meer.     Es liegt vor mir, weit und ewig, weder mein Auge, noch mein Ohr ist im Stande es ganz zu erfassen. Am Horizont schimmert die Grenze meiner Welt und ich weiß, die Wellen reichen weiter. Sie glitzern im Licht, tanzen vor meinem Auge, als ahnten sie nichts davon….

Müssen und Wollen (Müllen und Wossen)

Ich habe immer gewusst, was ich wollte, als ich musste. Nun, da ich nicht mehr muss, weiß ich nicht mehr, was ich will oder wollen muss, damit kein Muss sich einschleicht. Wie ich’s dreh und wende: Ohne diese Spaltung, die klare Aufteilung alles Tuns in einerseits müssen und andererseits wollen, bleibe ich ratlos zurück und…

In der Bibliothek

Blätter knistern und Stifte kratzen durch die emsige Ruhe, die wie ein Netz im Lesesaal gespannt ist, das jeden sicher auffängt, sollte er aus höheren Gedankenwolken stürzen, das weiß und klebrig jeden hält und zwingt zu bleiben. Zögerliches Aufblicken, unsicheres Umherschweifen, hilflose Augen suchen nach der Spinne, aus der das bindende Gewebe kommt, blicken nach…

Mit dem Denken ist nicht gut Kirschen essen…

Die Sonne scheint auf mich und die Kirschen, die neben mir im Gras liegend eine praktische Ablenkung zum nicht leichten Fassen meiner Gedanken darstellen. Immer wenn ein Gedanke halb fertig gedacht, als seltsame Materie, diffuse Energie heraustreten will in die Welt, um in Form von Sätzen greifbar zu werden, greife ich in die Kirschenschachtel und…